Aktuelles rund um die Umweltakademie Fresenius

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Abfallmanagement: Wann schließt sich der Kreis?

Es ist jetzt drei Jahre her, dass die Europäische Kommission am 2. Dezember 2015 ein ehrgeiziges Maßnahmenpaket zur Kreislaufwirtschaft verabschiedet hat. Das Paket umfasst einen Aktionsplan mit Maßnahmen für den kompletten Produktlebenszyklus: von Design, Materialbeschaffung, Herstellung und Verbrauch bis hin zur Entsorgung und zum Markt für Sekundärrohstoffe. Auf der elften Jahrestagung der Umweltakademie Fresenius „Abfallrecht“ am 6. und 7. November in Dortmund zogen Experten Bilanz: Es dauert noch, bis das ehrgeizige Ziel, den „Kreis zu schließen“ („Closing the Loop“), in greifbare Nähe rückt.

Umweltberater Helmut Spoo ist sich sicher: „Abfälle sind die Rohstofflagerstätten der Zukunft!“ Seiner Auffassung nach gewinnen die genaue Erfassung, effizientes Recycling und „Verwertung auf hohem Niveau“ immer mehr an Bedeutung. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Seinen Angaben zufolge betrug das Abfallaufkommen in der Europäischen Union im Jahr 2013 rund 2,5 Milliarden Tonnen. 1,6 Milliarden Tonnen dieses Mülls wurden nicht wiederverwendet oder recycelt. 600 Millionen Tonnen hätten aber recycelt oder wiederverwendet werden können. Besserung verspricht sich Spoo nicht nur durch striktere Gesetze und Vorschriften, sondern auch durch neue Technik: zum Beispiel durch die zerstörungsfreie, schnelle und repräsentative Bestimmung der Zusammensetzung von Abfällen durch Neutronenaktivierungsanalyse. Mit dieser Technik werden Abfallproben mit Neutronen bestrahlt. Anhand der Halbwertzeit der entstandenen Aktivierungsprodukte lässt sich der Abfall genau bestimmen.

Digitale Transformation als Wegbereiter der Kreislaufwirtschaft

Gottfried Jung, Ministerialdirigent a.D. und Honorarprofessor an der Hochschule Trier, macht vor allem die Digitalisierung als Treiber der Kreislaufwirtschaft aus. Das „Internet der Dinge“, in dem physische und virtuelle Gegenstände vernetzt sind und miteinander kommunizieren, könne dabei helfen, jedes Produkt und jede Verpackung mit „ökologischer Intelligenz“ aufzuladen. So könne eine „Rückwärtslogistik“ etabliert werden, die es erlaube, die Produkte wiederzuverwenden oder hochwertig zu recyclen. Damit es so kommen kann, müsse Kreislaufwirtschaft zum Geschäftsmodell werden. Vor allem dem Stoffstrommangement komme bei der Umsetzung entscheidende Bedeutung zu. Es müsse fester Bestandteil des Supply Chain Managements eines Unternehmens werden.

Kreislaufwirtschaft muss gelebt werden

Die Politik bleibt Jung zufolge aufgefordert, die Kreislaufwirtschaft zu einem „politischen Leitbild“ zu machen. Sie müsse gesetzliche Ziele setzen und mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit die Menschen „mitnehmen“. Kreislaufwirtschaft könne nicht staatlich verordnet werden, sondern müsse von allen Wirtschaftsbeteiligten gelebt werden.

Ein Jahr neue Gewerbeabfallverordnung: Bürokratische Hürden erschweren den Entsorgungsalltag

Wie weit Deutschland vom Ideal der Kreislaufwirtschaft entfernt ist, zeigte die kritische Bestandsaufnahme der Gewerbeabfallverordnung durch Reinhold Petri vom Regierungspräsidium Darmstadt. Die neue Fassung dieser Verordnung ist seit August 2017 in Kraft. Sie soll die getrennte Erfassung von stofflich verwertbaren Abfällen und das Recycling stärken. Für die Abfallerzeuger hat sie erweiterte Getrenntsammlungs- und Dokumentationspflichten mit sich gebracht. Reinhold Petris Urteil ist eindeutig: „Die Gewerbeabfallverordnung ist unter bürokratischen Laborbedingungen entstanden und berücksichtigt viel zu wenig den Entsorgungsalltag.“ So stoße zum Beispiel die Umsetzung des durch die Novelle vorgegebenen Vorrangs der stofflichen Verwertung vor der energetischen Verwertung auf Probleme in der Praxis. In bestehenden Zulassungsbescheiden werde oft der energetischen Verwertung Vorrang vor der stofflichen Verwertung eingeräumt. Auch die Kriterien der wirtschaftlichen Zumutbarkeit und der technischen Unmöglichkeit würden im Alltag unterschiedlich ausgelegt, so Petri. 

Kleine und mittlere Unternehmen von Entsorgungsaufwand und -kosten besonders getroffen

Besonders schwer fällt es kleinen und mittleren Betrieben, die Auflagen zur Mülltrennung zu erfüllen. Ihre betriebliche Entsorgungsstruktur und ihre Betriebsorganisation seien oft nicht auf die neuen Erfordernisse eingestellt, stellte Reinhold Petri fest. Er geht davon aus, dass die Kosten der KMUs im Vergleich zu denen der Großunternehmen deutlich höher ausfallen. Sie müssen ihre Entsorgungsverträge anpassen – zumeist zu ungünstigeren Konditionen. Erschwerend kommt hinzu, dass kleineren Unternehmen oft die Marktkenntnisse fehlen. Abhilfe können die Bundesländer bieten, wenn sie ein „Kataster mit tauglichen Sortier- und Aufbereitungsanlagen“ zur Verfügung stellen.

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