Aktuelles rund um die Umweltakademie Fresenius

Hier finden Sie aktuelle Veranstaltungshinweise, Pressemitteilungen und die neuesten Meldungen rund um die Umweltakademie Fresenius.

Kritische Bestandsaufnahme für EU-Einweg-Plastik-Richtlinie und Gewerbeabfallverordnung

12. Jahrestagung Abfallrecht der Umweltakademie Fresenius

Umwelt- und Abfallrechtsexperten blickten auf der zwölften Jahrestagung „Abfallrecht“ der Umweltakademie Fresenius am 12. und 13. November in Köln auf aktuelle Urteile und Änderungen europäischer Umweltrichtlinien. Sie zogen Bilanz nach zwei Jahren Gewerbeabfallverordnung und warfen einen Blick auf die neue EU-Kunstoffprodukte-Richtlinie. 

Reinhold Petri vom Regierungspräsidium Darmstadt nahm eine kritische Bestandsaufnahme der Gewerbeabfallverordnung vor. Die neue Fassung dieser Verordnung ist seit August 2017 in Kraft. Sie soll die getrennte Erfassung von stofflich verwertbaren Abfällen und das Recycling stärken. Für die Abfallerzeuger hat sie erweiterte Getrenntsammlungs- und Dokumentationspflichten mit sich gebracht. Ihr Ziel wird die Verordnung aber nicht erreichen, ist Petri überzeugt. Seinen Berechnungen zufolge werden die Gewerbeabfallmengen bis 2030 kaum steigen, die Verbrennungspreise auf einem hohen Niveau und die Wertstoffpreise weiter ein niedriges Niveau verharren. Die Behandlungskosten des Gewerbeabfalles würden im Schnitt 115 Euro je Tonne betragen, während die energetische Verwertung bei 100 Euro je Tonne liege. „Statt der prognostizierten Erhöhung der Recyclingquote um vier Prozent, wird die Quote der Erhöhung bis 2030 lediglich um die 2,5 Prozent liegen“ stellte Petri fest und fragt sich: „Lohnt sich der ganze Aufwand oder verbraucht die Gewerbeabfallverordnung viel Geld für fast nichts?“

Laut Petri verfügen viele Betriebe schon heute über eine hohe Verwertungsquote für die gängigen Stoffströme für Papier, Glas, Kunststoffe und Altholz, so dass nur ein Restgemisch verbleibe. Dieses Restgemisch sei häufig so mager, dass sich eine Sortierung wirtschaftlich nicht lohne. Reinhold Petri ist überzeugt, dass trotz des Vorrangs für die stoffliche Verwertung aufgrund der fehlenden Marktchancen weiterhin eine energetische Verwertung erfolgen müsse. Vielfach seien Kunststoffrecyclate als „Abfallprodukt“ auf den Märkten – zum Beispiel in der Automobilindustrie – nicht unterzubringen.

Für Petri ist die vollständige Umsetzung der Gewerbeabfallverordnung erst dann sinnvoll, wenn genügend Vorbehandlungsanlagen zur Verfügung stünden und ein funktionierender Recyclingmarkt vorhanden sei. Beides sei zurzeit noch nicht der Fall. Stattdessen regiere „das Prinzip Hoffnung“. 

EU-Kunstoffprodukte-Richtlinie bringt erweiterte Herstellerverantwortung

Rechtsanwalt Stefan Kopp-Assenmacher stellte die neue EU-Kunststoffprodukte-Richtlinie vor und diskutierte ihre Auswirkungen auf die Industrie und Entsorgungswirtschaft. Die neue Richtlinie (umgangssprachlich auch „Einweg-Plastik-Richtlinie“ genannt) dient der Reduzierung von Umweltverschmutzung durch Plastikmüll und hat vor allem zehn Einwegprodukte aus Kunststoff – wie etwa Getränkebecher, Bestecke und Teller, Rührstäbchen und bestimmte Lebensmittelverpackungen – im Visier. Neben diesen Verboten definiert die Richtlinie Anforderungen an die Verkehrsfähigkeit weiterer Einwegkunststoffartikel und deren Kennzeichnungspflichten. Zum Beispiel sollen Getränkeflaschen aus PET ab 2025 mindestens zu 25 Prozent aus recycletem Material bestehen; ab 2030 mindestens zu 30 Prozent. Außerdem macht die Richtlinie Vorgaben für eine erweiterte Herstellerverantwortung.  Diese Verantwortung sei auch als Finanzierungsquelle zu verstehen, wie Kopp-Assenmacher darlegte – zum Beispiel für Trenn- und Sammelsysteme: „Dadurch sollen auch wirtschaftliche Anreize zur Entwicklung nachhaltiger Anreize zur Entwicklung nachhaltiger Kunststoffprodukte entstehen.“ Hersteller von Einwegkunststoffprodukten könnten nach Inkrafttreten der Richtlinie auch an den Kosten von Sensibilisierungsmaßnahmen zur Verbraucherinformation und an den Kosten für öffentliche Abfallsammlungen beteiligt werden. Die Mitgliedstaaten haben bis Juli 2021 Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Wenn Recycling, dann hochwertiges Recycling

Trotz aller Kritik an Politik und aktuellen Richtlinien sprachen sich viele Referenten und Teilnehmer auf der Tagung der Umweltakademie Fresenius für die „Abkehr von der Linearwirtschaft“ und „hochwertiges Recycling“ aus, durch das Sekundärrohstoffe mit Primärstoffeigenschaften gewonnen werden können. Umweltberater Helmut Spoo ist sich sicher: „Abfälle sind die Rohstofflagerstätten der Zukunft!“ Seiner Auffassung nach gewinnen die genaue Erfassung, effizientes Recycling und „Verwertung auf hohem Niveau“ immer mehr an Bedeutung. Bis dahin sei es allerdings noch ein weiter Weg.

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Umweltakademie Fresenius 
c/o Die Akademie Fresenius GmbH

Alter Hellweg 46
44379 Dortmund

Telefon  +49 231 75896-50
Telefax  +49 231 75896-53
E-Mail  freseniusumweltakademie-fresenius.de
www.umweltakademie-fresenius.de


Jetzt teilen


zurück zur Übersicht
Rebecca Keuters

Ihre Ansprechpartnerin

Rebecca Keuters
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

+49 231 75896-76
rkeutersumweltakademie-fresenius.de