Aktuelles rund um die Umweltakademie Fresenius

Hier finden Sie aktuelle Veranstaltungshinweise, Pressemitteilungen und die neuesten Meldungen rund um die Umweltakademie Fresenius.

Umweltbeauftragte an vielen Fronten gefordert: Genehmigungsmanagement und Umweltkommunikation sind ‚harte Businessfaktoren‘

Am 25. und 26. September lud die Umweltakademie Fresenius zum 22. Praxisforum für Umweltbeauftragte nach Dortmund. Die Fachtagung ist der etablierte Treffpunkt für Störfall-, Immissionsschutz-, Abfall- und Gewässerschutzbeauftragte aller Branchen. An zwei Tagen standen Neuigkeiten aus dem Umweltrecht und Anwendungstipps für Praktiker auf dem Programm.

Die Vortragsthemen reichten vom Immissions- und Störfallrecht über Kreislaufwirtschaftsrecht bis zum Gewässerschutzrecht. Die Experten warfen einen Blick auf Änderungen im Emissionshandel und diskutierten das neue Störfallrecht. Außerdem widmete sich ein Tagungsblock der Frage, wie Unternehmen dem Anspruch an frühe Beteiligung der Öffentlichkeit bei Genehmigungsverfahren entsprechen können. 

Industrie fürchtet Mehrbelastung durch neue TA Luft

Ein weiteres aktuelles Thema im Mittelpunkt vieler Gespräche zwischen den Rednern und Teilnehmern war der vom Bundesumweltministerium vorgelegte Entwurf zur Änderung der „Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft – TA Luft“. Das Bundesumweltministerium möchte die geltende TA Luft aus dem Jahr 2002 an den Stand der Technik anpassen. Nachdem in der letzten Legislaturperiode innerhalb der Bundesregierung keine Verständigung erzielt werden konnte, hat das Umweltressort einen neuen Entwurf in die Ressortabstimmung gegeben. Frank Schmitz, Beauftragter für Abfall, Gewässer- und Immissionsschutz beim Chemieparkbetreiber Currenta (Leverkusen), kritisiert, dass das Ministerium den geänderten Entwurf zu einem Zeitpunkt zur Ressortabstimmung gegeben hat, als in vielen Bundesländern die Sommerferien begonnen hatten und der Industrie der Entwurf inhaltlich nicht bekannt gewesen sei. Die aktuelle Fassung enthalte wesentliche Änderungen gegenüber dem Rohentwurf. So zum Beispiel neue Anforderungen an technische Ausrüstungsgüter, neue Regelungen zu Energieeffizienz und Einsatzstoffen, die Einführung von naturschutzrechtlichen Belangen und Verschärfungen der Regelungen für besondere Anlagentypen. 

Frank Schmitz kritisiert vor allem die Definition einer „Gesamtzusatzbelastung“, den die neue TA Luft erstmals einführt. Diese neue Größe hat vor allem für Änderungsgenehmigungsverfahren Bedeutung, wie Frank Schmitz erläuterte: „Bei Einführung neuer Immissionswerte für Schadstoffdepositionen und gleichzeitiger Verschärfung der Kriterien bei Überschreitungen entsteht für Anlagenbetreiber in Überschreitungsgebieten ehebliche Genehmigungshindernisse.“

Umweltkommunikation wird Businessfaktor

Ein wichtiges Betätigungsfeld für Umweltbeauftragte ist der Dialog mit verschiedenen Zielgruppen. Dafür sorgen nicht nur neue gesetzliche Auflagen zur Beteiligung der Öffentlichkeit bei Genehmigungsverfahren. Auch die gestiegenen Erwartungen der Presse und die neuen Möglichkeiten der Social Media setzen voraus, dass Umweltexperten in den Unternehmen auch moderne Kommunikationsmanager sind. Für den Chemiepark Knapsack in Hürth ist Kommunikation angesichts vieler laufender Investitionsprojekte ein „knallharter Businessfaktor“, wie Thomas Kuhlow, Leiter Umweltkommunikation des Industrieparks, ausführte. Dazu brauche und fördere das Unternehmen den Dialog mit den Anliegern in großen wie in kleinen Fragen. Es gebe viele Wege, miteinander zu kommunizieren: „Nicht immer braucht man dazu Worte. Aber immer eine Verbindung.“ 

Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung sind erfolgskritisch für Standortakzeptanz

Auch für Joachim Schwab, Leiter der Abteilung für Umwelt und Arbeitsschutz bei der Bezirksregierung Köln, sind „Kommunikation und der Umgang mit der Öffentlichkeit ‚harte‘ erfolgskritische Faktoren für Standortakzeptanz." Die Praxis in Deutschland zeige deutlich, dass Unternehmenskommunikation mittlerweile viel stärker als in der Vergangenheit auch in den behördlichen Fokus gerückt sei: Unternehmen kommen seiner Auffassung nach nicht umhin, Bürgerkommunikation und Bürgerbeteiligung strategisch, zeitlich und budgetär in die Projektplanung einzubeziehen. Diese grundlegende Weichenstellung habe weitreichende Folgen. Sie führe zwangsläufig dazu, dass „diejenigen, die technische Projekte managen – in der Regel Ingenieurinnen und Ingenieure – und die sonstigen am Projekt beteiligten Akteure viel stärker als bisher und zusätzlich mit kommunikativen Herausforderungen konfrontiert werden. Sie müssen sich deshalb mit Disziplinen, Sichtweisen und Tools beschäftigen, die nicht zu ihrem erlernten Repertoire zählen." Umweltbeauftragte müssen also Kommunikationsprofis sein.

Unternehmen brauchen ein „Strafrechtmanagementsystem“

Hans-Jürgen Müggenborg, Fachanwalt für Verwaltungsrecht aus Aachen, warf die Frage auf, ob alle Unternehmen, die über ein Sicherheits-, Qualitäts-, Arbeitsschutz-, Umweltschutz- und Risikomanagementsystem verfügen, auch strafrechtlich „auf der sicheren Seite“ seien. Er wies darauf hin, dass strafrechtliche Ermittlungsverfahren ähnliche Auswirkungen wie technische Störfälle haben können: zum Beispiel Produktionsstillstand oder psychische und physische Belastung der Mitarbeiter. In solchen Fällen könne man auch von einem „rechtlichen Störfall“ sprechen: „Niemand hat mehr Zeit für seine reguläre Arbeit, jeder ist mit der Organisation seiner Verteidigungsstrategie beschäftigt.“ Müggenborg empfiehlt den Unternehmen deshalb die Einrichtung eines Strafrechtsmanagementsystems. Dies sei in den Qualitätsmanagement- und Umweltsystemen wie DIN EN ISO 9000ff. und EMAS zwar nicht vorgesehen, es könne aber problemlos nachgerüstet werden. Inhalte eines solchen Strafrechtsmanagementsystems sind zum Beispiel die Schulung des Wachpersonals zum richtigen Verhalten beim plötzlichen Eintreffen von Polizei und Staatsanwalt, die Aufklärung über strafprozessuale Rechte, die Festlegung der Meldewege und die Organisation der anwaltlichen Begleitung von Zeugen und Beschuldigten.

11. Jahrestagung „Abfallrecht in der Praxis“ im November 2018

Die nächste Tagung der Umweltakademie Fresenius widmet sich dem Abfallrecht. Die 11. Jahrestagung „Abfallrecht 2019 in der Praxis“ findet am 6. und 7. November in Dortmund statt. Experten aus Wirtschaft, Behörden und Politik diskutieren Entwicklungen im Kreislaufwirtschaftsrecht und Auswirkungen der EU-Vergaberichtlinien auf die abfallwirtschaftliche Praxis. Auf dem Programm stehen zudem Hilfestellungen zum sach- und rechtsgemäßen Umgang mit persistenten organischen Schadstoffen (engl.: persistent organic pollutants, kurz: POP). Erfahrungsberichte helfen den Teilnehmern, Prozesse im Unternehmen aktiv zu gestalten und behördlichen und wirtschaftlichen Anforderungen gleichermaßen zu entsprechen. Die Tagung gibt auch einen Überblick über Auswirkungen des neuen Verpackungsgesetzes und zur aktuellen Rechtsprechung gemäß Gewerbeabfallverordnung und Ersatzbaustoff-Verordnung. 

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Umweltakademie Fresenius 
c/o Die Akademie Fresenius GmbH

Alter Hellweg 46
44379 Dortmund

Telefon  +49 231 75896-50
Telefax  +49 231 75896-53
E-Mail  freseniusumweltakademie-fresenius.de
www.umweltakademie-fresenius.de


Jetzt teilen


zurück zur Übersicht
Rebecca Keuters

Ihre Ansprechpartnerin

Rebecca Keuters
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

+49 231 75896-76
rkeutersumweltakademie-fresenius.de